Die Geschichte des Leezener Sees

Diese Regionalkarte von 1880 zeigt den See mit beiden Dörfern im Namen. Sie zeigt uns auch die dünne Besiedelung jener Zeit. Die ideelle Dreiteilung in Budorp, Leezen (Kirche) und Kamp ist gut nachzuvollziehen.

Das Gebiet um den See war schon in der Steinzeit besiedelt, was durch archäologische Funde belegt ist. Durch den „Ochsenweg“, der von Skandinavien über Haithabu bis zur Elbe reichte, und den Handelsweg von Itzehoe nach Högersdorf war die Region an das paneuropäische Fernhandelsnetz angeschlossen. Die heutige Region Schleswig ist flächenmässig fast  identisch mit dem damaligen Stammesgebiet der Angeln. Südlich der Schlei siedelten Sachsen (Dithmarscher, Stormarner und Holsten). Als im 5. Jahrhundert ein großer Teil der Bevölkerung nach England auswanderte war die Region Nordelbien fast menschenleer.

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte drängten Nieder-Sachsen, Friesen und Slawen in das Gebiet. Es gab kriegerische Auseinandersetzungen vor allem mit den Slawen, die Karl der Große mit dem Limes Saxonia und der
Trave als Grenze beendete, bis im 11. Jahrhundert blutige Kriege mit den Wagriern geführt wurden. Es wurden an der Trave auf beiden Seiten Burgen errichtet, z.B die Nütschauer Schanze auf Germanischer Seite. Eine kleine Wallburg wurde auf der Insel im See gefunden und archäologisch dokumentiert.

Die Sprachverschiebungen der Ortsnamen u.a geben uns Hinweise auf die Zeit. Die Alt-Sächsische Sprache, eine Art Urdeutsch, ging hier ab dem 11. bis ins 12. Jahrhundert in Mittel-Niederdeutsch über, was sich auch in Namensgebungen niederschlug. In welche Zeit die Gründung Leezens fiel muss spekulativ bleiben. Es spricht
vieles dafür, dass die Entstehung in die Zeit von oder vor Karl dem Großen fällt. Bornhöved, Mözen, Leezen sind die einzigen die östlich so dicht am Limes lagen und an einem See. Für die Namensgebung Latzinghe spricht auch sein Alt-Sächsischer Name. Ab 1216 hiess unser Dorf Lascinghe. Es folgten vier weitere Namensänderungen.

Im Jahre 1134 gründete Vicelin am Fuß des Al Berg (Kalkberg) mit der Siegesburg das Kloster mit einer Stiftskirche. Kaiser Lothar und Papst Innozenz II belehnten das Kloster mit dem Kirchspiel Latzinghe einschließlich seiner umliegenden Dörfer. Der See, einige Wiesen und Höfe waren ausgenommen und standen der Burg zu, zuerst dem König und später dem Herzog von Sachsen.

Im Grundbuch von 1665 heisst es „…der leezinger sehe ist verhauret mit Aalkiste und 40 RT“. Auf der Karte von 1776, nach der Bodenreform, steht der Name Leetzer See. Wie kommt 1880 die doppelte Namensgebung zustande? Waren es private Interessen?

Hier ist die Geschichte!
Der Leezener See war seit dem Mittelalter verpachtet. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wurde Erbpacht daraus. Im Laufe der Zeit hat ein Herr Wandel aus Neversdorf (oder Krems) den See gekauft. Im Jahre 1879 heiratete J.F. Thamm aus Muggesfelde eine Neversdorferin und sie kauften 1880 den See mitsamt der Insel. Sie
planten dort den Bau eines Genesungsheims, legten Wege an und pflanzten Bäume. Das Projekt scheiterte und sie errichteten nur einen Pavillon. In dieser Zeit wurde offensichtlich der Name Leezen komplett verdrängt. 1915 pachteten der 1868 geborene Hufner Friedrich Wilhelm Asbahr und sein Schwager Theodor Möller aus Leezen den See ohne die Insel für 10 Jahre von J.F Thamm. Die Pacht belief sich auf 1800 Mark. Drei Jahre später kauften sie den See zu jeweils ideell gleichen Teilen und konnten bereits 1921, begünstigt durch die Inflation, die Restschuld ablösen. Diese Informationen stammen von Frau Thamm. Sie stand mit einem Bildermaler aus Hamburg in Verbindung. Er hiess Max Möller, hat in Leezen historisch recherchiert und sein Wissen und die
Gespräche mit Frau Thamm in einem Bericht aufgeschrieben. In einem Vorwort weist er darauf hin mit den Ergebnissen seiner Arbeit sehr großzügig umgegangen zu sein. Er hat den undatierten Bericht verfasst mit dem Titel „ Die Chronik von Leezen und das Klosterkirchlein im See“ In einer Randnotiz ist zu lesen, dass die Schrift im Segeberger Kreis und Tageblatt Februar-März 1930 abgedruckt wurde. Der Verfasser hat sich große Mühe gegeben mit vielen Details und dem Ergebnis einer phantasievollen Mischung von Fakten, Sagen, Vermutungen und Erfindungen. (gemeindearchiv-leezen-sh.de/chronik-moeller-klosterkirchlein).

Darin ist z.B. die Rede von einem Nonnen-Kloster, das im 12. Jahrhundert auf der Insel gewesen sein soll und auf dessen Resten später eine Burg errichtet wurde. Das ist höchst unglaubwürdig, denn eine Wall-Burg wurde zwar 1966 vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte ausgegraben und als sehr alte Burg mit slawischen Funden dokumentiert. Es sind auch keine Reste eines Klosters, einer Kirche oder Schule gefunden worden. Die Insel ist nahezu rund und etwa 8000 qm groß. Sie liegt topographisch dicht an Krems und es soll dort eine Fähre verkehrt haben.

Interessierte Leser und Leserinnen können diese und andere Geschichten über den genannten Link zu unserem Archiv nachlesen.

Ein am 15.8.2020 in den Lübecker Nachrichten erschienener Artikel greift das Thema „Insel im See“ auf und spinnt den Faden „sagenhaft“ weiter, nachdem der Verfasser, ein junger unbefangener Redakteur, mit einem Neversdorfer Bürger gesprochen und dessen Erzählungen ohne weitere Nachforschungen aufgeschrieben hat.

In den 1960er Jahren versuchte die Gemeinde Leezen als Pächter den See zu kaufen. Die beiden Eigentümer waren sich uneins und es geschah nichts. Die Eigentumsverhältnisse hatten sich dann geändert. Während die eine Hälfte, wie zuvor, Herrn Asbahr gehörte, fiel die zweite Hälfte an die Familie Landsmann. Eine Tochter von Herrn Möller brachte die andere Seehälfte mit in die Ehe. Sie verkauften ihren Seeanteil in den 1970er Jahren an die
Gemeinden Leezen, Neversdorf, Bebensee, Groß-Niendorf und Schwissel. 2024 verkaufte Herr Asbahr seinen Seeanteil an die Gemeinde Leezen. Damit ist der See öffentlich und damit auch alle Badestellen und Freizeiteinrichtungen am See. Es bleibt eine Frage offen. Wem gehört die Insel heute? Asbahr und Möller haben den See ohne Insel ge-/verkauft.

Peter Rohde
Januar 2026